Wir unterstützen: Gedenkkundgebung zur Befreiung des KZ Auschwitz

Am 27. Januar 2012 jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee zum 67. Mal. Wie kaum ein anderer Ort steht Auschwitz für die industriell geplante und von breiten Teilen der deutschen Bevölkerung mitgetragene Vernichtung mehrerer Millionen Juden/Jüdinnen. Zudem wurden in Auschwitz auch Sinti und Roma, polnische Staatsangehörige und sowjetische Kriegsgefangene ermordet.

Zum Anlass des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und der Erinnerung an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz veranstaltet das Aktionsbündnis „Vogtland gegen Rechts“ am Freitag dem 27.01.2012 in Plauen eine Kundgebung am Postplatz. Wir als Antifaschistische Gruppen des Vogtlands unterstützen das Anliegen der Kundgebung.

[Plauen] NPD-Kundgebung am kommenden Samstag angreifen!

Am kommenden Samstag (dem 29.10.) plant die NPD eine Kundgebung im Plauener Stadtzentrum. Angekündigte Redner sind Holger Apfel (NPD-Landesvorsitzender Sachsen), Jens Baur (NPD KV Dresden) und Maik Scheffler (Delitzsch, aktiv im Freien Netz).

Die rassistische Hetze gegen Migrant_Innen in Plauen nimmt vorerst kein Ende. Nachdem sich in den vergangenen Wochen in Plauen vermehrt Übergriffe auf Asylbewerber_Innen ereigneten, kam es am Abend des 14.10. vor der Discothek „N1“ zu einer Konfrontation zwischen einer Gruppe Migrant_Innen und Angehörigen einer Securityfirma. Die Mitarbeiter der Securityfirma waren in letzter Zeit durch einige rassistische Angriffe aufgefallen (AGV berichtete). Auf die Auseinandersetzung vor der Discothek „N1“ folgte eine regelrechte Welle rassistischer Stimmungen im Vogtland. So wurde ein willkürlicher Angriff von „Ausländern“ auf die Disco herbeifantasiert. Mittlerweile räumt selbst die örtliche Polizeidirektion ein, dass zuvor Mitarbeiter der Securityfirma C.O.P.S. grundlos Migrant_Innen angegriffen und diese teils erheblich verletzt hatten.

Die NPD Sachsen scheint nun die Vorfälle der letzten Wochen für eine Debatte über „Ausländerkriminalität“ nutzen zu wollen. Lasst uns gemeinsam den Rassist_Innen keinen Raum überlassen – in dieser Stadt und anderswo!

Die Nazikundgebung ist zwischen 11 und 14 Uhr am Postplatz / Ecke Theaterplatz angemeldet. Treffpunkt zu dezentralen Gegenaktivitäten ist 10 Uhr am „Tunnel“ (Straßenbahn-Zentralhaltestelle, an der Stadtgalerie).

Interview mit Radio Corax zur Serie rassistischer Übergriffe in Plauen

COPS
(Bild: Mitarbeiter der Firma C.O.P.S. vor der Plauener Stadtgallerie)

Am 24.10. gaben wir Radio Corax in der Sendung Widerhall ein Interview zu den rassistischen Übergriffen durch Mitarbeiter der Securityfirma C.O.P.S. in Plauen. Dieses könnt ihr euch unten im Audioplayer anhören.

Informationen über Radio Corax unter: www.radiocorax.de

[Plauen] Serie rassistischer Übergriffe – Braune Seilschaften zwischen Nazis und Disco-Szene

Nach einer Häufung rassistischer Übergriffe auf AsylbewerberInnen kam es am Abend des 14.10.2011 zu einer Konfrontation zwischen MigrantInnen und dem Sicherheitsdienst einer Disco in der Plauener Innenstadt. Presse, BetreiberInnen und Nazis waren sich schnell einig – es handelt sich um einen Fall von „Ausländerkriminalität“.

In den Mittagsstunden des 14.10.2011 wurden drei Bewohner des Plauener Asylbewerberheims im Eingangsbereich der Stadtgalerie (einem Einkaufszentrum in der Stadtmitte) von dort tätigen Securitys erst bedroht und schließlich körperlich angegriffen. Dabei wurden die drei Migranten teils erheblich verletzt. Die herbeigerufene Polizei weigerte sich, die AngreiferInnen zu identifizieren. Kurz darauf wurde ein weiterer Asylbewerber hinter der Stadtgalerie mit einem Metallstuhl niedergeschlagen. Er trug erhebliche Kopfverletzungen davon. Offensichtlich geht dieser Übergriff auf einen Angehörigen des gleichen Sicherheitsdienstes zurück. Am Abend wurde schließlich mehreren AsylbewerberInnen der Zutritt zur Discothek „N1“, ebenfalls in der Innenstadt gelegen, verwehrt. Kurz darauf entwickelte sich eine handfeste Auseinandersetzung zwischen ca. 25 MigrantInnen und einigen Securitys der Disco sowie deren Sympathisanten. Dabei gingen unter anderem Fensterscheiben zu Bruch. BeobachterInnen des Vorfalls sprechen davon, dass die MigrantInnen von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes regelrecht „erwartet“ wurden – mit Messern und Fahrradketten.

Für die Lokalpresse ein gefundenes Fressen. Mit der Schlagzeile „Asylbewerber überfallen Discothek“ wurden der Öffentlichkeit gleich Tatverdächtige und Tathergang gemeinsam serviert. Die InternetbenutzerInnen honorierten dies mit einem ganzen Sack voll rassistischen Kommentaren. Und auch nationalkonservative Onlineportale wie die „Kompakt Nachrichten“ reagierten schnell. Auch die Polizei ließ sich etwas einfallen: noch Freitag Nacht wurde die Innenstadt nach MigrantInnen durchkämmt, was in der willkürlichen Festnahme zweier Bewohner des Asylbewerberheims endete. Diese sehen sich nun mit einer Anzeige wegen Landfriedensbruchs konfrontiert (anscheinend ist es ein Verbrechen, sich als „Nicht-Deutscher“ nachts in der Innenstadt aufzuhalten). Am Samstag verschaffte sich schließlich die Polizei, ohne Rücksicht auf Hausrecht und Privatsphäre der BewohnerInnen, Zugang zum Plauener Asylbewerberheim in der Kasernenstraße. Dabei wurden Privaträume geöffnet und sämtliche anwesenden BewohnerInnen abfotografiert.

Mehrere rassistische Angriffe in der Vergangenheit

Wie ist die Vorgeschichte dieses Vorfalls? Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes „C.O.P.S.“, welcher sowohl für die Stadtgalerie als auch für das „N1“ zuständig ist, griffen in der Vergangenheit immer wieder MigrantInnen willkürlich an. So sind Vorfälle aus der mittlerweile geschlossenen Discothek „Prince“ und dem „N1“ bekannt, die mit rassistischen Pöbeleien begannen und für die MigrantInnen teils im Krankenhaus endeten. In den Wochen vor der Konfrontation kam es zu weiteren Übergriffen mit rassistischem Hintergrund. Ende September wurde ein Migrant in der Nähe des Kulturzentrums „Alte Kaffeerösterei“ von mindestens 4 Angreifern niedergeschlagen. Auch in der Bergstraße nahe des Clubs „Ranch“ griffen mehrere Personen einen Migranten an. Die rassistische Grundstimmung ging mittlerweile so weit, dass in den letzten Wochen sämtlichen „ausländisch“ anmutenden Menschen der Zutritt zur Discothek N1 verwehrt wurde.

Number One, Sicherheitsdienst C.O.P.S. und NPD-KV Vogtland – Geschichten aus dem braunen Sumpf

Dass das „N1“ schon lange nicht nur Partylocation feierwilliger VogtländerInnen ist, sondern Homezone provinzieller Nazicliquen und rassistischer Schlägertrupps, die dort sogar die Tür bewachen dürfen, scheint der Öffentlichkeit keine Meldung wert zu sein. Und so sind sich „Freie Presse“, der NPD-Kreisverband und die Nazikameradschaft RNJ Vogtland einig wie selten zuvor: es handelt sich um einen Fall schlimmster „Ausländerkriminalität“.

Discobetreiber Uwe Seidel zeigt gegenüber der Freien Presse seine geistige Nähe zu den Nazischlägern, die in seinen Läden den Einlass bewachen: von einem Racheakt ist die Rede, und in verharmlosender Weise spricht er von „verschärften Einlassregeln für Ausländer“ (Freie Presse vom 17.10.). Denken wir einen Moment über diese Logik nach: werden MigrantInnen in Discotheken von uniformierten Schlägernazis angegriffen, sind das verschärfte Einlassregeln. Wehren sie sich, ist es Rache und Kriminalität. Mittlerweile wurde bekannt, dass die Number One Spielautomaten GmbH nicht nur zufällig im selben Gebäude wie das lokale „Bürgerbüro“ der NPD residiert – sie ist offensichtlich Eigentümer des Gebäudes und damit Vermieter der NeofaschistInnen.

Zivilgesellschaft, Rassismus und erster Gegenwind

Die Diskriminierung von MigrantInnen und ihre Internierung in einer alten Kaserne am Rande der Stadt war der Plauener Zivilgesellschaft bisher nur ein bedauerndes Schulterzucken wert. Der rassistische Hintergrund von Einlassverboten in Discotheken, nächtlichen Übergriffen und alltäglicher Diskriminierung z.B. im öffentlichen Nahverkehr blieb weitestgehend unbemerkt. Nun geht ein Aufschrei durch die Stadt. Die Plauener Volksgemeinschaft hat scheinbar endlich einen bejammernswerten Fall, der sie in ihrer nationalen Identität wieder zusammenschweißt und außerdem eine Schlagzeile, welche die Auflagen der lokalen Wurstblätter in die Höhe schnellen lässt. Problematisiert die Öffentlichkeit nicht den täglichen Rassismus in Zivilgesellschaft sowie die Seilschaften zwischen lokalen Nazis, Sicherheitsdiensten und DiscobetreiberInnen, drohen bald Hoyerswerdaer oder Rostock-Lichtenhagener Zustände. Erste Drohungen eines Überfalls auf das Wohnheim wurden schon laut.

Dennoch begann sich gegen Mitte der Woche ein langsamer Wandel in der Wahrnehmung des Vorfalls abzuzeichnen. Der Vivere e.V. (Trägerverein der Kontaktstelle gegen Rechts) veröffentlichte gemeinsam mit der RAA Sachsen e.V. und der Opferberatung Chemnitz eine Pressemitteilung, in der die einseitige Berichterstattung der Lokalpresse und die rassistischen Einlassverbote in der Discothek „N1“ kritisiert wurden. Auch „Freie Presse“, Frankenpost und sogar das MDR beginnen nun, die rassistische Stimmung im Nachgang der Auseinandersetzung zu thematisieren. Antifaschist_Innen aus der Region sind sich einig: es ist mehr denn je nötig, dem Alltagsrassismus in der Region offensiv zu begegnen. Ob im „N1“ oder anderswo….

Naziseilschaften angreifen – Prolldisco „N1“ abreißen – Sicherheitsdienst „C.O.P.S.“ dichtmachen!

Pressespiegel:

Gemeinsame Pressemitteilung RAA Sachsen e.V. / Vivere e.V. – Offene Diskriminierung in Plauen
http://move-vogtland.de/aktuelles-lesen/items/gemeinsame-pressemitteilung-raa-sachsen-ev-vivere-ev-offene-diskriminierung-in-plauen.html

Scharfe Kritik an „Ausländer“-Verbot
http://move-vogtland.de/pressespiegel-details/items/scharfe-kritik-an-auslaender-verbot.html

Gewalttätiger Angriff auf Diskothek am Klostermarkt
http://www.freiepresse.de/LOKALES/VOGTLAND/PLAUEN/Gewalttaetiger-Angriff-auf-Diskothek-am-Klostermarkt-artikel7790598.php

Plauen: Angriff auf Diskothek
http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Plauen-Angriff-auf-Diskothek-artikel7790105.php

Disco-Überfall: War die Randale Racheakt?
http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/art2388,1783349

Nach Angriff auf Plauener Disko: Betreiber verschärft Einlassregeln
http://s1.directupload.net/images/111019/dw9r6ctm.jpg

Videobeitrag vom MDR Sachsenspiegel:
http://www.mdr.de/sachsenspiegel/video19448.html

Unterstützt die BREAK ISOLATION Kampagne!

Die BREAK ISOLATION-Kampagne wendet sich gegen die alltägliche rassistische Diskriminierung von Flüchtlingen in Deutschland, die sich unter anderem durch Residenzpflicht, das Lagersystem und willkürliche Abschiebungen zeigt.

Am 22.10.2011 findet daher in Erfurt eine Kundgebung (10 Uhr am Anger) sowie eine Demo (14 Uhr am Hauptbahnhof) statt.

Smash Fortress Europe

mehr Infos und detaillierte Hintergründe findet ihr unter:
breakisolation.blogsport.de

Wir dokumentieren an dieser Stelle den Aufruf der Kampagne:

Lager – Kontrolliertes Leben in Isolation

Entsprechend dem Asylbewerberleistungsgesetz sind Flüchtlinge dazu gezwungen, für die Dauer ihres Asylverfahrens und oft auch darüber hinaus in Sammelunterkünften zu leben. Diese liegen in Thüringen auf alle Landkreise verteilt. Da die überwiegenden Prämissen bei der Unterbringung möglichst geringe Kosten sind und – wie von behördlicher Seite oft bestätigt – räumliche Distanz zur angestammtem Bevölkerung, liegt der Großteil der Lager in Kleinstädten und Dörfern, meist noch außerhalb des Stadtgebiets und in den meisten Fällen in ehemaligen NVA-Kasernen oder DDR-Verwaltungsgebäuden. Um selbst keine Verantwortung zu tragen und die Kosten minimal zu halten, geben die meisten Landkreise die Betreibung der Lager an private Firmen ab, wodurch die ohnehin schlechten Bedingungen im reinen Profitinteresse noch weiter abnehmen.

Die Lager dienen dazu, Flüchtlinge gesundheitlich und psychisch zu zermürben, Abschiebungen möglichst reibungslos und leise vollziehen zu können und politischen sowie rechtlichen Widerstand gegen alle Schikanen und Rechtsbrüche unmöglich zu machen. In den Lagern arbeiten jeweils Heimleitungen und der Ausländerbehörde unterstellte „BetreuerInnen“, die die umfassende Kontrolle des Privatlebens der Flüchtlinge garantieren. Da diese Behördenangestellten weitreichende Entscheidungsbefugnisse über das Leben der Flüchtlinge haben, so etwa über den Erhalt von Einkaufsgutscheinen, über Arztbesuche, Bildungsangebote, Arbeitserlaubnisse oder einfach über den ungeöffneten und pünktlichen Erhalt privater Post, ergibt sich ein enormer Spielraum für Machtwillkür und Schikane, der sich allerorten als Mechanismus der Unterdrückung politischen Widerstands auswirkt. Flüchtlinge müssen erfahrungsgemäß mit weitreichenden Folgen, bis hin zur beschleunigten Abschiebung rechnen, wenn sie öffentlich gegen die Verhältnisse protestieren – manchmal auch schon, wenn sie bloß Besuch empfangen.

Residenzpflicht – Rassistische Personenkontrollen und Unterdrückung von politischer Selbstorganisation

Als ein weiteres Instrument der Isolation dient die Residenzpflicht, die den legalen Aufenthalt eines Flüchtlings auf den ihm zugewiesenen Landkreis beschränkt. Während andere Bundesländer sie mittlerweile komplett aufgehoben haben, hat Thüringen das Gesetz dieses Jahr insofern modifiziert, dass der Aufenthaltsbereich auf vier Landkreise ausgeweitet wurde – vier von dreiundzwanzig. Es gibt offiziell die Möglichkeit, per Antrag auf Urlaubsschein die Erlaubnis zu bekommen, den Landkreis zu verlassen. Diese wird allerdings fast nie gewährt. Als bspw. im April 2011 eine bundesweite Flüchtlingskonferenz in Jena stattfand, wurde Flüchtlingen aus Niedersachsen der Urlaubsschein zur Teilnahme verweigert. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge erklärte, dass Asylsuchenden „kein Recht auf politische Betätigung zusteht“. Dementsprechend steht jede Aktion, jedes Treffen des Flüchtlingsnetzwerks unter dem Kriminalisierungsvorbehalt des Gesetzes. Auf der Suche nach potentiellen Residenzpflichtverletzern kontrollieren Polizisten in Thüringer Bahnhöfen und Innenstädten gezielt Menschen, die nicht ihrem Verständnis von „deutsch“ entsprechen. Bei Verstoß drohen Geldstrafen, bei Wiederholung Haftstrafen. Somit ist die Residenzpflicht für die deutschen Behörden das primäre Instrument zur Verfolgung politischer Aktivität von Flüchtlingen.

In dem Licht, dass für die Gewährung politischen Asyls oft die Kontinuität politischer Aktivität im Exil zählt, offenbart sich an dieser Stelle die offensichtliche Lüge des Grundrechts auf Asyl: Politischen Flüchtlingen wird nicht nur die Aktivität verboten, sondern die Verfolgung dieser setzt sich in Deutschland fort.

„Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“

Dieser Slogan der Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen wird leider nichts an Aktualität einbüßen. Über die Betonung des hohen Werts der Möglichkeit politischen Asyls wird versucht, sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ zu stigmatisieren und die Gesellschaft, vor allem in Krisenzeiten, gegen Flüchtlinge aufzuhetzen. Dabei soll eines erzielt werden: Die strukturellen, globalen Ursachen von Flucht sollen vertuscht und die Erkenntnis, dass es dieselben Strukturen sind, die auch für die hiesige Bevölkerung Krise und Armut bedeuten, verhindert werden. Wer sind die „Wirtschaftsflüchtlinge“? Wenn es Menschen aus Tunesien sein sollen, die infolge der Befreiung von Ben Ali auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa fliehen, dann muss die Frage folgen: Wer hat Ben Ali jahrelang unterstützt, mit ihm und seinem Clan Milliardengeschäfte gemacht und damit sowohl extreme Einkommensungleichheit und einen allmächtigen Repressionsapparat gestützt? Wenn es Menschen aus dem Senegal sein sollen, die nicht mehr vom Fischfang leben können, dann muss die Frage folgen: Woher kommen die hochtechnologisierten Fischfangflotten, die die Gewässer vor Westafrika leer fischen? Wenn es Menschen aus Afghanistan sein sollen, denen nicht nur jede Grundlage für Landwirtschaft entzogen wurde, sondern auch jegliche Infrastruktur bis zum eigenen Haus zerstört wurde, muss gefragt werden: Wer führt dort seit einem Jahrzehnt Krieg?

Wer alles zurücklässt, illegal über dutzende lebensgefährliche Grenzen flieht und die eigene Flucht durch entwürdigende Arbeit ohne Erlaubnispapiere an verschiedenen Zwischenstationen finanziert, der-/diejenige hat dafür immer guten Grund. Und zwar in den meisten Fällen denselben Grund, der hier für Ausgrenzung, steigende Armut und zunehmende Einschnitte in grundlegende Freiheitsrechte steht: Der Kapitalismus im Rahmen von Staaten mit zunehmend aufgerüsteten Sicherheitsapparaten.

The VOICE Refugee Forum

Als Reaktion auf die repressiven Verhältnisse in einem Thüringer Flüchtlingslager gegründet, kämpft das Flüchtlingsnetzwerk The VOICE Refugee Forum seit mittlerweile 17 Jahren gegen Entrechtung und Freiheitsberaubung. Durch eine Vielzahl von Kampagnen gegen Abschiebung, Isolationslager oder Residenzpflicht hat sich immer wieder die Notwendigkeit der autonomen Selbstorganisation bewährt. The VOICE arbeitet unabhängig von dauerhaften finanziellen Förderungen und ohne hierarchische Strukturen. Der Mittelpunkt des Aktivismus bleibt stets der Kampf um Selbstbestimmung und die kontinuierliche öffentliche Präsenz der Stimme der Flüchtlinge. Hierdurch konnten allein in Thüringen viele Isolationslager geschlossen, Abschiebungen verhindert und Strafandrohungen wegen Verstößen gegen die Residenzpflicht durchkreuzt werden. So widersetzt sich zum Beispiel Miloud L Cherif seit mehreren Monaten erfolgreich der Strafverfolgung wegen Übertreten einer Landkreisgrenze. Er verweigert sich jeder Strafzahlung („Meine Freiheit steht nicht zum Verkauf! “) und konnte durch zivilen Ungehorsam und öffentlichen Protest eine Haftandrohung abwehren. Mittlerweile haben auch FlüchtlingsaktivistInnen in anderen Bundesländern begonnen, Netzwerke aufzubauen und die eigene Stimme zu stärken. In Sachsen-Anhalt kämpfen Flüchtlinge seit langem gegen das Isolationslager Möhlau, in Baden-Württemberg fand dieses Jahr die erste Flüchtlingskonferenz statt und mehrere Aktionen gegen Abschiebungen und zwangsmäßige Botschaftsanhörungen.

Break Isolation

Unter diesem Titel stehen die Aktionen der seit einem Jahr in Thüringen verstärkten Kampagne gegen die Isolation der Flüchtlinge durch den Zwang zum Leben im Lager und das Verbot, sich frei über Landkreisgrenzen hinweg zu bewegen. Mittlerweile existiert ein Bündnis verschiedener Einzelpersonen und Gruppen, die sich unter eben jener Zielsetzung, die Isolation zu durchbrechen, solidarisch an die Seite des Flüchtlingsnetzwerks The VOICE stellen und die laufenden Aktionen mittragen sowie durch regelmäßige Lagerbesuche und Vernetzungstreffen mit Flüchtlingsaktivistinnen Dokumentationsmaterial erstellen und die Öffentlichkeitsarbeit unterstützen.

Der Erfolg unserer Kampagne, die Missbräuche in Gerstungen, Gangloffsömmern, Breitenworbis und Zella-Mehlis durch Selbstorganisation der Flüchtlinge und Solidarität innerhalb der Gemeinschaft öffentlich zu machen, hat vielen Flüchtlingen und Nicht-Flüchtlingen Kraft gegeben. Während der Kampagne hat der Widerstand ein höheres Level an Aufmerksamkeit gegenüber der Situation der Flüchtlinge und der Praxis der Isolationslager in Thüringen erreicht.

Wir demonstrieren deshalb am 22.10.2011 in Erfurt gemeinsam gegen Ausgrenzung und Unterdrückung! Es werden die Verhältnisse in Thüringen im Vordergrund stehen, allerdings sind diese identisch mit denen in anderen Teilen Deutsch-lands und der Welt. Es werden FlüchtlingsaktivistInnen aus allen Regionen Thüringens gemeinsam mit Karawane-AktivistInnen aus dem bundesweiten Netzwerk sowie vielen weiteren UnterstützerInnen auf die Straße gehen.

Unterstützt den Widerstand der Flüchtlinge!!

Zeigt euch solidarisch für ein Leben in Selbstbestimmung, Würde und Freiheit für alle!

Sofortige Schließung der Isolationslager in Gerstungen, Breitenworbis und Zella-Mehlis!

Residenzpflicht und Isolationslager müssen weg! Überall!

Hausdurchsuchung bei vogtländischer Naziszene

Am 27. September durchsuchten Staatsschutz und Polizei die Wohnungen mehrer vogtländischer Neonazis sowie einen Garten in Auerbach, der als Nazitreffpunkt bekannt war. Offensichtlich galt die Durchsuchung der RNJ Vogtland, welche seit ca. einem Jahr als neue vogtlandweite Kameradschaftsstruktur aktiv ist. Die RNJ machte vor allem durch die Organisation eines sogenannten „Trauermarsches“ am 16.04.2011 in Plauen, eine unangemeldete Demonstration in Rodewisch im August 2011 und einige Propagandaaktionen auf sich aufmerksam. Zudem nahmen RNJler an mehreren Naziaufmärschen teil, zuletzt am 3. September in Dortmund.

Die RNJ ersetzt zunehmend alte Kameradschaftsstrukturen wie die „RechteAktionsFront“ aus Reichenbach und versucht gezielt, mit einer Mischung aus scheinbar alternativem Lifestyle (NS-Hardcore, „autonomer“ Kleidungsstil) und völkischem Antikapitalismus aktionsorientierte Jugendliche aus dem vogtländischen Hinterland an sich zu binden. Offensichtlich besitzt die RNJ dabei gute Kontakte zum „Freien Netz Süd“ sowie zum „Freien Netz Erzgebirge“. Als führende Köpfe gelten unter anderem Erik Thümmler aus Ellefeld und Kevin Pahnke aus Reichenbach.

Bruchpiloten-“Gedenken“ im Vogtland, Naziterror in Greiz

Nichts neues bei den vogtländischen Nazis – auch dieses Jahr fanden Aktionen anlässlich des Todestages von Rudolf Hess, seines Zeichens Nazikriegsverbrecher und Bruchpilot, statt. In Greiz wurde am Samstag, dem 27.08.2011, zum vermutlich zehnten Mal das sogenannte „Rudolf-Hess-Gedenkturnier“ ausgetragen. Etwa 50 Nazis aus der Region (darunter auch aus Nordbayern) waren anwesend. Während das Fußballturnier die beiden letzten Jahre in Tschirma stattfand, wurde diesmal das Privatgelände eines bekannten Nazis in Nitschareuth als Austragungsort gewählt. Bereits einige Tage zuvor sprayten Nazis den Schriftzug „Rudolf Hess – 17.8.1988 – Mord“ an eine Hauswand in Reichenbach.

Nach wie vor ist Greiz einschließlich des umliegenden Landkreises Schauplatz rechter Übergriffe – wie das Medienkollektiv Vogtland berichtet, wurde auf dem sogenannten Sommerfest in Moschwitz vergangenen Freitag eine Person durch anwesende Nazis verletzt. Zudem schmierten Nazis Parolen an die Schaufensterscheibe des Linkspartei-Bürgerbüros in der Greizer Innenstadt, das bereits im Jahr 2010 Ziel mehrerer Angriffe war.

siehe auch: Elsterpiraten ; Move Vogtland

Hausbesetzung … Zwickau braucht ein AJZ!

Was haben Erfurt, Wittenberg und Zwickau gemeinsam? In allen drei Städten kämpfen seit längerer Zeit lokale AktivistInnen für einen selbstverwalteten Freiraum. In Zwickau kam es aus diesem Grund in der Nacht vom 19. zum 20. August zu einer Hausbesetzung. Mehrere alternative Jugendliche verschafften sich Zutritt zu einem ehemaligen Internat an der Paradiesbrücke. In einer Presseerklärung verdeutlichten die AktivistInnen, dass sie „keine 10 Jahre auf ein AJZ warten [wollen]“. Das Internat stand seit Jahren leer, während für alternative Jugendliche in der Stadt nach wie vor kein Raum existiert. Nachdem die Besetzung im Laufe des Samstags öffentlich gemacht wurde und zu einem „Tag der offenen Tür“ für Sonntag eingeladen wurde, erfolgte am Abend gegen 18 Uhr die Räumung durch ein größeres Polizeiaufgebot.

Bereits seit Beginn des Jahres 2009 fordert der Verein „Baumhaus Zwickau“ ein alternatives Zentrum in Zwickau. Während die Stadt zu Beginn dem Anliegen der AktivistInnen des Baumhaus e.V. zumindest nach außen hin freundlich gesonnen schien, brach sie schließlich zu Beginn des Jahres 2011 mit dem Hinweis auf böse gewaltbereite Autonome die Zusammenarbeit mit der Freiraumgruppe ab. Bereits zuvor waren die Gespräche um ein geeignetes Objekt im Sande verlaufen. Ganz im Stile der aktuellen Extremismushetze gegen alles, was links des konservativ-nationalistischen Mainstreams im Lande Sachsen steht oder es wagt, gegen die politischen Zustände aufzubegehren, wurde durch Presse und SPD-Oberbürgermeisterin Pia Findeiß eine gewalttätige Bedrohung der miefigen Provinzwirklichkeit in Zwickau konstruiert. Dass währenddessen weiterhin „Autonome Nationalisten“, NPD und andere RassistInnen unwidersprochen ihr Unwesen im Zwickauer Stadtbild treiben können, stört niemand. Der Feind steht links.

Der letzte Höhepunkt der Bemühungen um ein AJZ war die Freiraumdemo am 14.05., welche unter dem Motto „Stürmt das Schloss“ etwa 150 TeilnehmerInnen auf die Straßen Zwickaus lockte. Die Besetzung scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass die ZwickauerInnen die Hinhaltetaktik der Stadt endgültig satt haben und nun dazu übergehen, sich die ihnen zustehenden Räume einfach zu nehmen. Dennoch: letztendlich sorgte die Polizei einmal mehr dafür, dass lehrstehende Häuser auch leerstehend bleiben und demonstrierte in offiziellem Auftrag, dass alternative Kultur und emanzipatorische Politik in Zwickau nicht erwünscht sind.

SQUAT ZWICKAU! SOLIDARITÄT MIT DEN ZWICKAUER HAUSBESETZER_INNEN!

Infos: paradies.blogsport.de

Greiz – Antifaschistische Spontandemonstration als Reaktion auf Naziübergriff

Am Abend des 17. Juni 2011 ereignete sich in Greiz ein brutaler Naziübergriff auf ein Konzert, welches im Rahmen des jährlichen „Schlossfolk-Festivals“ stattfand. Gegen Mitternacht attackierten etwa 15 Nazis das im Hof des unteren Schlosses befindliche Konzert der Band „44 Leningrad“, nachdem sie sich zuvor im Eingangsbereich gesammelt hatten und bereits dort durch Zeigen des Hitlergrußes und Pöbeleien auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Zuerst attackierte die Nazigruppe eine Einzelperson, welche den Veranstaltungsort verlassen wollte. Anschließend ging die Meute zum direkten Angriff auf die Veranstaltung über. Augenzeugenberichten zufolge flogen Gläser, Aschenbecher und Bierbänke, auch Pfefferspray wurde durch die Angreifer eingesetzt. Mehrere Personen wurden erheblich verletzt und mussten sich in ärztliche Behandlung begeben. Erst die entschlossene Gegenwehr mehrerer KonzertbesucherInnen führte dazu, dass sich die Nazis zurückziehen mussten. Die herbeigerufene Polizei bewies ihre Unfähigkeit (oder ist da schon politische Absicht zu erkennen?), indem sie nach Eintreffen zuerst einmal die Personalien anwesender linker Jugendlicher und KonzertbesucherInnen aufnahm, anstatt sich mit dem Nazimob zu beschäftigen, welcher sich noch immer in unmittelbarer Nähe aufhielt.

Spontandemo in der Innenstadt

Um auf die Ereignisse des Vorabends aufmerksam zu machen und die Wut über die von rechter Gewalt geprägten Zustände in Greiz auf die Straße zu tragen, versammelten sich am darauffolgenden Nachmittag ca. 60 AntifaschistInnen aus Greiz und umliegenden Städten zu einer Spontandemo. Das Spektrum der Demo kann als sehr vielfältig bezeichnet werden. Neben einem kleinen aber entschlossenen Black Block an der Spitze waren Antifas, Punks, engagierte BürgerInnen und Jugendliche vertreten. Beginnend am Arbeitsamt bewegte sich die Demonstration laut und kraftvoll quer durch die Innenstadt. Die anwesenden Cops hielten sich zurück und begnügten sich damit, den Verkehr zu regeln. Im weiteren Verlauf schlossen sich einige lokale Jugendliche der Demo an, sodass zwischenzeitlich fast 80 TeilnehmerInnen gezählt werden konnten. Auf dem Markt wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten. Für etwa 20 Minuten musste das anwesende Partypublikum mit einer Unterbrechung der Bier- und Bockwurstatmosphäre vorlieb nehmen. Einer kleineren Gruppe von Jungnazis wurden zudem antifaschistische Platzverweise erteilt. Anschließend bewegte sich die Demo geschlossen wieder zum Ausgangspunkt zurück. Angesicht dessen, dass sich zur Zeit der Demo viele FestbesucherInnen und AnwohnerInnen in der Innenstadt aufhielten, erreichte das Anliegen der Demo eine erhebliche Öffentlichkeit.

Greiz – braun statt bunt?

In den vergangenen Jahren zeichnete sich die Situation in Greiz durch wiederholte Naziübergriffe und eine rechte Hegemonie im Alltag aus. Die Präsenz von Nazis im Stadtbild ist erheblich, der NPD-Kreisverband vergleichsweise aktiv und im Umland fanden wiederholt Naziveranstaltungen statt. Dies lässt auf eine schrittweise Etablierung einer rechten Erlebniskultur schließen. Beispiele dafür sind das „Drei-Mädle-Haus“ in Schönbach (ca. 12km von Greiz entfernt), welches mehrmals Austragungsort neofaschistischer Veranstaltungen war und mittlerweile wieder geschlossen ist; sowie der Szeneladen „Nordlicht“ im nur 10km entfernten Netzschkau (auch dieser ist im Moment geschlossen). Zudem findet mittlerweile seit dem Jahr 2002 jährlich ein „Rudolf-Hess-Gedenkturnier“ statt, welches fußballbegeisterte Nazis aus der ganzen Region ins Greizer Umland lockt.

Allein die Chronik ausgewählter Vorfälle der Jahre 2009 bis 2011 zeigt die Dimension des Naziproblems in Greiz: zuletzt wurden am 26.05.2011 mehrere PKWs mit Naziparolen und -symbolen beschädigt (Quelle: move-vogtland.de). Im Juli 2010 bedrohte eine größere Nazigruppe den Streetworker, MitarbeiterInnen und Gäste eines Greizer Jugendclubs. Zuvor kam es bereits im Mai 2010 nahe Greiz zu einem Übergriff von ca. 20 Nazis auf 6 alternative Jugendliche, wobei zwei Jugendliche erhebliche Verletzungen davon trugen. Des Weiteren wurden im Bürgerbuero der Partei DIE LINKE im Jahre 2010 drei Mal die Scheiben eingeschmissen. Im Juni 2009 überfielen drei Nazis (darunter ein Mitglied der NPD Greiz und ein bereits wegen des Brandanschlages auf das Greizer Asylbewerberheim vorbestrafter Mann) die Wohnung eines Migranten, wobei dieser verletzt wurde. Auch hier fällt vor allem das skandalöse Vorgehen der Polizei auf: der Betroffene des Übergriffs wurde in Handschellen abgeführt und musste die Nacht auf der Polizeiwache verbringen (Quelle: elsterpiraten.blogsport.de/2011/01/05/greiz-kurzer-prozess).

Ausblick

Immerhin kam es im Jahr 2010 zur Bildung des „Bunten Bündnis“. Dieses sieht sich als überparteiliches Bürgerbündnis, welches vor allem als zivilgesellschaftlicher Akteur gegen rassistische und faschistische Aktivitäten auftreten will. Wie die Realität des Bündnisses in Zukunft aussieht, bleibt spannend: es ist zu hoffen, dass sich die Arbeit des Bündnisses nicht vom derzeit allgegenwärtigen Extremismusquatsch vereinnahmen lässt und dass auch inhaltlich konsequent gegen rechtes Gedankengut Stellung genommen wird. Dass das Bündnis aktiv an der Organisation und Durchführung der Demo vom 18.06.2011 beteiligt war, ist dabei ein sehr positives Signal.

Die Ereignisse in Folge der Demonstration hingegen zeigen nach wie vor die Realität einer provinziellen Kleinstadt, wie sie grotesker mitunter nicht sein kann. Drei Nazis wurden von der Polizei identifiziert und festgesetzt, zwei unterdessen wieder freigelassen. Während sich der lokale NPD-Kreisverband wohl auf Grund des großen Presseechos genötigt fand, sich auf der Homepage von der Gewalttat zu distanzieren (und sogar einräumte, dass von einem rechten Hintergrund auszugehen ist), warnt der Greizer CDU-Ortsvorsitzende ganz im Sinne der aktuellen Extremismusdebatte vor einer „Vereinnahmung des Stadtfestes durch Rechte oder Linke Krawallmacher“ (Quelle: OTZ). Trotz der kurzzeitigen Präsenz des Themas in der örtlichen Presse wagte niemand auch nur ansatzweise, das Problem beim Namen zu nennen: einen offensichtlichen rassistischen und nationalistischen Konsens in der Öffentlichkeit, der rechte Übergriffe so lange verschweigt, bis es mit dem Schloss- und Parkfest doch einmal die „Mitte“ der Gesellschaft trifft. Und so bleibt nach dem ersten Aufschrei in Presse und Lokalpolitik vorerst wieder alles beim Alten. Die Erkenntnis ist die gleiche: entschlossene antifaschistische Intervention ist mehr denn je bitter nötig.

Wir supporten: Freiraumdemo in Wittenberg am 25.06.

Am 25.06.2011 findet in Lutherstadt Wittenberg eine Demo für einen selbstverwalteten Freiraum statt. Wir rufen euch alle dazu auf, an diesem Tag zahlreich nach Wittenberg zu fahren und den Kampf für ein AZ dort zu unterstützen!!

Aufruf Freiraumdemo Lutherstadt Wittenberg 25.06.2011

„lasst uns träumen, doch lasst sie uns leben
Für selbstorganisierte Freiräume, gegen rassistische Sondergesetze.
Her mit dem schönen Leben!“

Seit dem Jahr 2004 kämpfen alternative und antifaschistische Menschen um ein selbstverwaltetes Zentrum in Wittenberg. Nach jahrelangen, ergebnislosen Verhandlungen mit der Stadt Wittenberg und dem Landkreis, wurde am 14. August 2009 das alte Gesundheitsamt in der Wallstraße 1 besetzt. Am 25. August endete jedoch der kurze, elftägige Traum von einem kollektiven, selbstbestimmten und solidarischen Zusammenleben.

Nach der Räumung der Wallstraße 1 zeigte sich die Stadt verhandlungsbereit.
Die von ihr angebotenen Objekte waren allerdings zum größtenteil ausgebrannt, verschimmelt und zu klein. Also war mensch wieder auf sich gestellt und begab sich im Wittenberger Immobiliendschungel auf die Suche nach einem neuen Haus.
Im Oktober 2009 konnte schließlich ein geeignetes Domizil gefunden werden. Nachdem mensch sich nun anderthalb Jahre von Behörde zu Behörde gequält, eigene Grundrisse angefertigt und Architektentermine hatte, Kostenkalkulationen erstellt wurden und ein Mietvertrag ausgehandelt werden konnte, kam im März 2011 die traurige Gewissheit das dass geforderte Brandschutzkonzept von der Stadt und dem Bauamt Wittenberg nicht finanzierbar ist.

Alles auf 0???
Für uns ist klar, dass der Kampf um selbstorganisierte Freiräume und unkommerzielle Kultur weitergeht.
In einer Stadt in der es keine Konzertmöglichkeiten gibt, kaum Proberäume, keine Treffpunkte die nicht damit verbunden sind Geld auszugeben und kein Platz zur freien Entfaltung, ist dieser Kampf bitter notwendig. Auf welchem Weg er in den nächsten Monaten und Jahren geführt wird, wird sich zeigen.
Während in dieser ach so toleranten Stadt Wittenberg Menschen mit geringem Einkommen an den Stadtrand gedrängt werden, weil die Innenstadt zu einer reinen Luxus- und Touristenmeile gemacht wird, beschäftigt sich die Politik damit, ein neues Einkaufszentrum zu bauen, den Bahnhof komplett zu sanieren und die Stadtkirche zu restaurieren, sodass alles sauber und ordentlich bis zum Lutherjahr 2017 aussieht.

ABER: Wo bleiben dann die Obdachlosen, die Erwerbslosen und die Menschen denen eh kaum Geld zum leben bleibt?
Wo bleiben die Träume von so vielen in dieser Stadt, die keinen Bock drauf haben jeden Abend in den selben Kneipen zu versauern?
Wo bleiben die Menschen, die nicht in das Bild passen wollen das diese Gesellschaft normal nennt?
Wir haben kein Problem mit Luxus, nur dann soll der Luxus auch allen zugänglich sein. Für Jede, Jeden und allen Alters.

Unsere Alternativen zur Stadtentwicklung heißen: praktische Solidarität, unkommerzielle Kneipen, Fahrrad- und Kreativwerkstätten, Küchen für alle, Infoläden, bezahlbarer Wohnraum, Bauwägenplätze, kostenlose Kinos, Konzerte, Selbsthilfe, gemeinsame Organisierung des Alltags, große freizugängliche Parkanlagen, riesige Spielplätze, freie Graffittiflächen und Räume in denen Menschen ihre Träume von einer anderen Welt und einem besseren Leben, leben können. Kollektiv und solidarisch.

Wir wollen mit dieser Demo zeigen, dass wir weiterhin keinen Platz zum Entfalten unserer Träume haben und dass der Kampf um alternative, selbstorganisierte Freiräume in Wittenberg weitergeht. Gleichzeitig wollen wir am 25.Juni unsere Wut über die katastrophalen Zustände im Abschiebelager Möhlau, indem Menschen seit 20 Jahren in völliger Isolation und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen, zum Ausdruck bringen.
Für ein Leben ohne Abschiebeknäste und kommerzieller rassistischer Stadtpoltik.

Für selbstorganisierte Freiräume, gegen rassistische Sondergesetze.
Her mit dem schönen Leben!

15 Uhr Hauptbahnhof Lutherstadt Wittenberg
Nach der Demo Live-Auftritt von „Conexion Musical“ +
Küche Für Alle!