Archiv für August 2012

Erneuter Immobilienkauf durch Nazis in Feilitzsch (Landkreis Hof)

Das oberfränkische Hinterland kommt nicht zur Ruhe. Trotz aller bürgerlichen „Hof/Regnitzlosau/beliebigen Ort einsetzen ist bunt“-Bestrebungen scheint sich die Region an der Grenze zu Sachsen zunehmend zum überregionalen Anzugspunkt für organisierte Nazis zu entwickeln.

Vor wenigen Tagen wurde durch eine gemeinsame Pressemitteilung der Sicherheitsbehörden, des Landratsamtes und der Gemeinde Feilitzsch bekannt, dass bereits im April 2012 das ehemalige Dorfschulhaus des Ortsteils Unterhartmannsreuth durch eine NPD-Angehörige erworben wurde. Recherchen zufolge handelt es sich dabei um die 25jährige Miriam Haack, die im vergangenen Jahr bei den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen für die NPD kandidiert hatte. Auch Frank Rennicke, bundesweit bekannter Nationaljammerlappen und Bundespräsidentschaftskandidat 2010 von NPD und DVU, soll offensichtlich dort gesichtet worden sein – dies stimmt mit anderen Gerüchten überein, deren zufolge Rennicke bereits im vergangenen Jahr seinen Wohnsitz in die Region Westsachsen/Nordbayern verlegt hat.

Bereits Anfang 2010 erwarb Tony Gentsch, einer der führenden Köpfe des „Freien Netz Süd“, einen ehemaligen Gasthof in Oberprex, nur etwa 20 Kilometer von Unterhartmannsreuth entfernt und ebenfalls im Landkreis Hof. Dieser dient seitdem als fester Veranstaltungsort der regionalen Kameradschaftsszene. Zuletzt fanden am 09.06. und 20.07. Konzerte in Oberprex statt. Mit dem Kauf des Hauses in Unterhartmannsreuth befindet sich nun eine zweite Immobilie in der Region in der Hand von Nazis. Zwar ist noch unklar, wie das Grundstück wirklich genutzt werden soll. Doch vor allem angesichts der Tatsache, dass der NPD-Landesverband bereits seit Januar 2011 beabsichtigt, eine Immobilie anzukaufen, erscheint es möglich, dass die ehemalige Schule in Zukunft als Veranstaltungszentrum dienen soll. (Vgl. Störungsmelder )

Es bleibt abzuwarten, wie die Öffentlichkeit in der nordbayrischen Provinz auf den Hauskauf reagieren wird. Bereits jetzt steht fest, dass Oberfranken von der bayrischen Naziszene als Homezone angesehen und als solche ständig ausgebaut wird. Beinahe hilflos verweisen inzwischen die Behörden in ihrer Presseerklärung auf die Auszeichnung der Feilitzscher Schule als „Schule ohne Rassismus“ – als würden sich dadurch sämtliche Probleme von alleine erledigen. Nahezu dreist schließt die Erklärung mit dem Statement „im Landkreis Hof wird klar Position gegen Rechts bezogen“ (Vgl. dazu Walter Ulbricht – „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“). Angesichts der Repression gegen antifaschistische AktivistInnen im Zusammenhang mit dem Naziaufmarsch am 1. Mai in Hof und der Jagd auf sogenannte „Linksextremisten“ im Freistaat Bayern erscheint dieser hilflose Anflug von Staatsantifaschismus als eine Mischung von Realitätsverlust und blankem Hohn.

Autonome Antifa Hof (AAH)
Antifaschistische Gruppen des Vogtlandes (AGV)

Lesenswertes:
-„Bericht aus Oberprex“
-„Oberprex bleibt fest in rechter Hand“

Estamos todos anarquistas! Bericht zum zweiten anarchistischen Terrassenfest.

Libertäre AktivistInnen aus der Region haben am 4. August im Projekt Schuldenberg Plauen schon zum zweiten Mal das anarchistische Terrassenfest veranstaltet. Abseits vom Alltag und den oft immer gleichen politischen Routineveranstaltungen sollte für einen Tag ein offener Raum geschaffen werden, um sich zu treffen, sich auszutauschen und in entspannter Atmosphäre über libertäre Ideen ins Gespräch zu kommen. Etwa 80 Menschen folgten dem Aufruf und gestalteten den Tag mit – bereits Nachmittags fand ein SprayerInnen-“Contest“ statt, bei dem verschiedene Bereiche des Hauses spontan, kreativ und gemeinsam neu gestaltet wurden. Auch die Wiederverwendung entlaufener Nationalfähnchen (als Handtaschen oder praktische schwarz-rote Deko) konnte geprobt werden. Inhaltlich versuchte die FAU Chemnitz über den Zusammenhang zwischen der zapatistischen Bewegung in Chiapas/Mexiko und einer möglichen Selbstverwaltung in der Landwirtschaft aufzuklären. Schließlich ließen die Songwriter HISZTORIE (L.E.) und LIBVIS (Greiz) sowie eine Goaparty im Keller den Abend ausklingen. Eine Solicocktailbar sammelte zudem Geld für AktivistInnen, die von Repression betroffen sind. Fazit: die Resonanzen des Abends zeigten, dass definitiv großes Potential und Interesse an befreiten Räumen besteht, in denen auch die oftmals leider vorhandenen engen Szenegrenzen aufgesprengt werden. Um mit verschiedensten Menschen über anarchistische Ideale, Visionen und Praktiken in Austausch zu kommen, um gemeinsam neue Ideen zu entwickeln, oder auch um einfach kurzzeitig die Gesamtscheiße für einen Tag in den Hintergrund treten zu lassen. Estamos todos anarquistas!