Archiv für Januar 2014

Infoveranstaltung vom Antirassistischen Netzwerk Sachsen-Anhalt am 29.01

Am 29.01 findet um 21 Uhr eine Infoveranstaltung zum Thema:
„Die Situation der Flüchtlinge, der Flüchlingsprotest und die aktuelle rassistische Stimmung in Deutschland“
im Projekt Schuldenberg Plauen (Thiergartner Str. 4) statt.

08.01.2014/ Filmvorstellung/ 21 Uhr/Projekt Schuldenberg

Mauer 2.0- Antirassistische und Migrantische Perspektiven auf den Mauerfall

Der Film Duvarlar/Mauern/Walls dokumentiert migrantische Perspektiven, vor allem aus der türkischen Community, auf den Mauerfall und die Wiedervereinigung in den Jahren 1990-91. Zum 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbevertrags und 50 Jahre nach dem Mauerbau tragen die Filmemacher_innen diese Perspektiven in die öffentliche Diskussion. Mauern 2.0 befragt dafür einige ProtagonistInnen des Films erneut: Wie sehen sie Themen wie Rassismus, Nationalismus und ökonomische Ausbeutung heute? Gibt es neue ‘Mauern’? Mauern 2.0 zieht weitere Kreise und fragt auch nach Perspektiven aus dem Ost-Teil der Stadt. Vergangene Auseinandersetzungen aktualisieren wir für die Gegenwart und fragen nach Verbindungen und Entwicklungen. Schließlich stellen Sie die unausweichliche Frage: Was ist Rassismus heute?

Anschließend findet eine Diskussionsrunde statt.

Oury Jalloh Gedenkdemonstration 2014

Am 07.01.2014 findet um 14 uhr am Hauptbahnhof Dessau eine Oury Jalloh Gedenkdemonstration statt.

Mobivideo:

http://initiativeouryjalloh.wordpress.com/2014/01/06/oury-jalloh-gedenkdemonstration-2014

Am frühen Morgen des 07.01.2005 wird Oury Jalloh festgenommen. Er fragte auf der Straße arbeitende Frauen, ob er ihr Handy benutzen könne. Sie fühlten sich belästigt und riefen die Polizei. Oury Jalloh wurde von den Beamten zur Polizeiwache in der Wolfgangstraße 25 in Dessau gebracht. Obwohl festgestellt wurde, dass er stark alkoholisiert war, wurde er in der Zelle Nr. 5 an Händen und Füßen fixiert. Mittags verbrennt Oury Jalloh bei lebendigem Leib. Innerhalb weniger Tage verkündigt die Staatsanwaltschaft, dass davon ausgegangen werden kann, dass er sich selbst verbrannt hat.

Innerhalb vieler Jahre, in denen es auf Drängen von Initiativen, der Familie, und durch viele Protestaktionen zu Gerichtsverhandlungen kam, blieb die Staatsanwaltschaft bei der Theorie, er habe sich selbst angezündet. Polizeibeamte standen zwar vor Gericht, aber es ging um eine Art unterlassener Hilfeleistung, die zum Tode Oury Jallohs geführt haben soll. Hand und Fußfesselung, ein Feuerzeugrest, der erst drei Tage später – angeblich im Brandschutt – auftauchte, eine feuerfeste Matratze in der Zelle, und viele andere Indizien, ließen Staatsanwaltschaft und Gerichte in Dessau und Magdeburg nicht davon beeindrucken, dass ihre immer widersprüchlicher werdende Theorie des Selbstmordes haltlos ist. Fremdverschulden am Tode von Oury Jalloh wird während der ganzen Jahre nicht nur ausgeschlossen, sondern es werden diejenigen kriminalisiert, die eine Aufklärung der Todesursache fordern.

Nach einem Brandgutachten, das von der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh in Auftrag gegeben wurde, stellte sich heraus, dass davon ausgegangen werden muss, dass mehrere Liter Brandbeschleuniger benutzt wurden, um Oury Jalloh lebendig zu verbrennen. Die Staatsanwaltschaft spricht seitdem zwar selbst von neuen Erkenntnissen und erklärt, dass nun Aufklärungsbedarf bestehe. Aber Oberstaatsanwalt Preissner hat trotz der vielfachen Aufforderungen, innerhalb und außerhalb der Prozesse, Abbrandversuche mit und ohne Brandbeschleuniger zur Rekonstruktion des Brandbildes aus Zelle 5 abgelehnt.

Am 07.01.2005 starb nicht nur Oury Jalloh, sondern auch Laye Condé in Bremen, der nach gewaltsamer Verabreichung eines Brechmittels am 27.12.2004 zunächst ins Koma fiel und schließlich im Krankenhaus verstarb. Weitere Namen stehen für kontinuierliche Tötungen von Menschen durch Polizisten: Christy Schwundeck, Maryama Sarr, Halim Dener, Zdravko Nikolov Dimitrov, Dominique Kouamadio und viele, viele mehr. . . .
Dessau, Bremen, Frankfurt . . . . Polizisten morden, Gerichte wiegeln ab, stellen Verfahren ein, oder es wird erst gar nicht richtig ermittelt. Menschen werden verbrannt, sterben an den Folgen der Verabreichung von Brechmitteln oder werden erschossen. Die breite Öffentlichkeit ist darüber kaum informiert und wird in dem Glauben gelassen, dass Polizisten in diesem Land niemals foltern oder gar ungestraft morden könnten. Doch das ist genau der Fall. Die Justiz in Sachsen – Anhalt hat versagt, weil sie einen von Korpsgeist beseelten Polizeiapparat nicht zur rechenschaft ziehen konnte – oder durfte?

Wir gehen auf die Straße, weil wir ständig neu erfahren, wie verlogen das System von Polizei, Justiz und Regierungsapparat z.B. hier in Sachsen-Anhalt ist.
Gerechtigkeit, Aufklärung und Wahrheit!
OURY JALLOH-DAS WAR MORD!