Archiv für Februar 2015

[Plauen] Stadtrat und „Der III.Weg“ besichtigen gemeinsam Asylbewerber*Innenunterkunft

Ausgerechnet kurz bevor sich der Tod des Libyers Ahmed J. aufgrund skandalöser Zustände in der Plauener Asylbewerber_Innenunterkunft in der Kasernenstraße zum ersten Mal jährt, konnten Neonazis der Partei “III. Weg” eine Heimbegehung des Plauener Stadtrates nutzen, um das Wohnheim von Innen zu betrachten. Dies veröffentlichte die neonazistische Partei auf ihrer Facebookseite.

Am 12. Februar tagte der Bildungs- und Sozialausschuss des Plauener Stadtrates, an dem auch Thomas Lauter, Stadtrat der NPD, teilnahm. Da es sich dabei um eine öffentliche Sitzung handelte, in welcher auch das Thema „Asylbewerber“ (Zitat aus der Einladung an die Mitglieder des Ausschusses) besprochen werden sollte, war sich der nationalistische Stadtrat nicht zu fein, mit einer Delegation von „stämmigen jungen Männern“ (Zitat „Vogtland Anzeiger“) auf der Stadtratssitzung aufzukreuzen. Allerdings waren Lauters Kameraden größtenteils weder Mitglieder in der NPD noch in deren Jugendorganisation JN. Mindestens drei seiner vier Begleiter sind bei der Partei „III.Weg“ aktiv, welche aus dem verbotenen Kameradschaftsdachverband Freies Netz Süd hervorging. Mit dabei: Tony Gentsch, Thomas Heyer und Marcus Wawra, alle drei wohnhaft in Plauen.

Schon länger verbreitet die Truppe um Gentsch im Internet in einer eigens gegründeten Facebook-Gruppe rassistische Hetze. NPD-Stadtrat Thomas Lauter kündigte in einem Facebook-Post in der Gruppe an, das Heim zu besichtigen. Der sich gerne als seriöser Geschaftsmann gebende Lauter (er ist Inhaber des Kopierladens Copy-Cat in der Plauener Dobenaustraße 20 ) verfügt über beste Kontakte zu organisierten Kameradschaftskreisen im Vogtland. Ein Bild zeigt Lauter inmitten der III.Weg-Mitglieder Thomas Heyer, Marcus Wawra und René Hagedorn. Letzterer war einst Betreiber der Internetseite “Widerstand Oelsnitz” und sitzt derzeit im Knast. Dass Lauters Adressbüchlein mit Kontakten zu kameradschaftlich organisierten Nazis gefüllt ist, ist nicht weiter verwunderlich. Er lief selbst zum 01. Mai letzten Jahres bei der „Arbeiterkampftag“-Demo mit, welche vom Freien Netz Süd organisiert wurde. Neben intellektuellen Forderungen wie „Arbeit, Freiheit, Brot!“ spiegelte sich der geistige Horizont der Teilnehmer_Innen auch im Demomotto „Arbeit zuerst für Deutsche“ wider. Auch während der Sitzung äußerte sich Lauter extrem rassistisch, was aber bis auf zwei der im Stadtrat tagenden Personen niemand zu interessieren schien. Uns stellt sich dabei die Frage, warum sich an einem Ort, an dem Politik gemacht wird, nahezu niemand in der Position sieht, rassistischem Gedankengut offen zu widersprechen. Sind es doch genau jene, die sonst am lautesten mit Wörtern wie Nächstenliebe, Toleranz und Menschlichkeit Imagepflege für die Stadt betreiben.

So richtig ekelhaft wurde es jedoch erst im Anhang der Sitzung, als ein Rundgang durch das Asylbewerber_Innenheim in der Kasernenstraße anstand. Diese Gelegenheit nutzten Lauters Gäste um Bilder vom Inneren des Heims und teilweise von dessen Bewohner_Innen zu machen. Auf der Internetpräsenz des III. Wegs wurde angekündigt, einen Bericht über den Besuch zu veröffentlichen. Dass nun ausgerechnet der Plauener Stadtrat den Neonazis ungehinderten Zutritt zur größten Gemeinschaftsunterkunft des Vogtlandkreises ermöglichte, ist ein Skandal. Doppelt schwer wiegt dabei, dass der Rundgang auch noch einen Tag vor dem Jahrestag des 2014 verstorbenen Ahmed J. stattfand.

Worin besteht der Sinn einer öffentlichen Heimbegehung? Wo ist die Rücksicht auf die Bewohner_Innen, deren Privatsphäre dabei völlig unbeachtet bleibt? Warum ist der Sozialbürgermeister Levente Sárközy weder willens noch in der Lage, eine Heimbegehung einzig autorisierten Personen (Sachverständigen, Stadträt_Innen) zu ermöglichen, oder zumindest eindeutig erkennbare Neonazis (mit III.Weg-Jacken bekleidet) auszuschließen? Und wer stellt eigentlich sicher, dass die Rassist_Innentruppe des III. Wegs ihr nun dank der Idiotie der Verantwortlichen in Plauen erworbenes Insiderwissen nicht nutzen, um gezielte Angriffe auf die ihnen verhassten Geflüchteten vorzunehmen?

die Antifaschistischen Gruppen des Vogtlandes (AGV)

Bild 1: Thomas Lauter (2. von rechts), inmitten der „III.Weg“-Mitglieder René Hagedorn (ganz links), Marcus Wawra (2. von links) und Thomas Heyer (ganz rechts).

Bild 2: NPD-Stadtrat Thomas Lauter auf der 1.Mai-Demonstration des FNS in Plauen 2014.

Plauen: Ahmed J. – Never Forget!

Ahmed-Demo

Vor einem Jahr, am 14.02.2014, verstarb in der Asylbewerber*Innenunterkunft in der Plauener Kasernenstraße der libysche Geflüchtete Ahmed J. an einer Lungenembolie. Mehrere Stunden vergingen, in denen der Familienvater offenbar unter entsetzlichen Schmerzen vergeblich auf Hilfe wartete. Ein alarmierter Wachmann weigerte sich, einen Krankenwagen zu rufen. Stattdessen beleidigte er hilfesuchende Bewohner*Innen des Heims auf rassistische Weise und griff diese sogar tätlich an. Wie mittlerweile bekannt war, hatte es eine Dienstanweisung gegeben, in der Ahmed J. der Simulation bezichtigt wurde. Ihm selbst und dem Wachdienst wurde zu Verstehen gegeben, dass der Geflüchtete den nächsten Krankentransport selbst bezahlen müsse.

Eine Ärztin im Plauener Klinikum hatte sich zuvor geweigert, Ahmed zu behandeln, da dieser kein Deutsch sprach. Vermutlich auf Grund dieser rassistischen Erfahrung und ohne Diagnose hatte sich der 43jährige letztlich selbst aus dem Krankenhaus entlassen. Der Prozess am Plauener Amtsgericht gegen den Wachmann wurde Ende Januar 2015 gegen Zahlung von 1.800 Euro eingestellt.

Das Verfahren ist aus unserer Sicht eine Farce – denn die Verantwortung der Heimleitung wird dabei verschwiegen! An den entwürdigenden Zuständen im überfüllten Heim in der Kasernenstraße hat sich unterdessen nichts geändert. Bauliche Mängel, struktureller Rassismus und Behördenwillkür sind nach wie vor an der Tagesordnung.

Gestern versammelten sich spontan etwa 30 Refugees und solidarische Menschen auf dem Hof der Gemeinschaftsunterkunft, um Ahmed zu gedenken.
Des Weiteren wird am Samstag, dem 21.02.2015 in Plauen eine selbstorganisierte Refugee-Demonstration unter dem Motto “In Memory Of Ahmed, We’ll Not Forget” stattfinden. Zuvor veranstaltet der “Refugee Support Plauen” eine Aktionswoche unter dem Titel “View To Life Conditions – Asylum Seekers in Saxony”, welche auf die Lebensbedingungen der Geflüchteten vor Ort aufmerksam machen soll.

Wir sind wütend und voller Trauer angesichts dieses tragischen und vermeidbaren Todes. Die Behörden, Sozialarbeiter*Innen und Ärzt*Innen haben Ahmed auf dem Gewissen!
Kein Mensch ist illegal!

Vogtländische Nazis auf Griechenland-Reise

Mit dem „Stützpunkt Vogtland/Hochfranken“ hat die neonazistische Partei „Der III. Weg“ als Nachfolgeorganisation des „Freien Netz Süd“ begonnen, die Überreste der Kameradschaft „RNJ Vogtland“ neu zu organisieren. Mit dabei ist auch Tony Gentsch, ehemaliger Führungskader des FNS und Initiator des mittlerweile geschlossenen Neonazizentrums „Oberprex 47″ nahe Regnitzlosau im Hinterland nahe Hof.
Dass der „III. Weg“ nicht nur eine weitere Kleinstpartei aus dem offen neofaschistischen Spektrum ist, sondern über beste internationale Kontakte verfügt, wurde nun daran sichtbar, dass sich eine Delegation auf den Weg nach Athen machte, um den „Imia-Marsch“ zu begleiten. Mehrere tausend Neonazis marschierten am Abend des 31.01.2015 durch Athen, es dürfte sich damit um eine der größten offen neofaschistischen Aufmärsche in Europa handeln. Mit dabei war auch eine Handvoll vogtländischer Nazis: Tony Gentsch (ehemals Oberprex/FNS), Kevin Pahnke (Auerbach, ehemals RNJ Vogtland) und Thomas Heyer (RNJ- und FNS-Nachwuchskader, Plauen). Wir vermuten, dass sich auch Rico Döhler (Ellefeld, ehemals RNJ Vogtland und NPD-KV Vogtland, neuer „Stützpunktleiter“ für den III. Weg in der Region) an der Griechenland-Reise beteiligte. Insgesamt soll die Delegation des III. Wegs etwa 20 Mitglieder umfasst haben, darunter auch Parteivorsitzender Klaus Armstroff.
Offensichtlich versucht der III. Weg unter Gentsch und Döhler derzeit, die vogtländische Naziszene zu reorganisieren. Während in Plauen vor wenigen Jahren nur lose Verbände diverser Neonazis, deren politisches Engagement aus Biertrinken und Stammtischgesprächen bestand, auszumachen waren, lassen sich inzwischen organisierte Kameradschaftsstrukturen mit weitreichender Vernetzung erkennen. Für den III. Weg, welcher bisher größtenteils nur im Süden Deutschlands von Relevanz ist, stellt das Vogtland letztendlich einen wichtigen Punkt für die Ausbreitung nach Sachsen dar. Und dass das Potential in Sachsen hoch ist, kann wohl keiner leugnen.
Links im Bild: Thomas Heyer und Kevin Pahnke
Links im Bild: Thomas Heyer und Kevin Pahnke
Kevin Pahnke
Kevin Pahnke
Thomas Heyer
Thomas Heyer