Archiv für Oktober 2015

14.11.2015 in Wunsiedel – Deutsche Helden vom Sockel hauen!

Am 14.11.2015 will die neonazistische Partei „Der III. Weg“ ihr alljährliches „Heldengedenken“ in Wunsiedel abhalten. Zwar beschäftigt sich der III. Weg regional derzeit mehr mit der Hetze gegen Geflüchtete, doch das traditionsreiche Abfeiern von Volksgemeinschaft und Nazikriegsverbrecher*Innen darf am Wochenende des “Volkstrauertags” natürlich nicht fehlen.

“MÄRTYRERSTADT” WUNSIEDEL?

Bereits seit 1988 marschierten Neonazis fast jährlich durch Wunsiedel. Als 2005 der „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“, zu dem zeitweise bis zu 1600 Nazis kamen, verboten wurde, wurde es einige Zeit ruhig um die oberfränkische Stadt. Die erste Demonstration nach dem Verbot hielten die Neonazis 2009 im Gedenken an Jürgen Rieger, den einstigen Organisator der Heß-Märsche, ab. Der Versuch, eine ähnlich bundesweit attraktive Nachfolgeveranstaltung für den Heß-Marsch zu finden, scheiterte allerdings bislang – es kamen nach 2009 nur 20-150 Nazis zu den Demonstrationen. Dies änderte sich, als im Jahr 2012 der süddeutsche Kameradschaftsverband „Freies Netz Süd“ das erste “Heldengedenken” veranstaltete. Seitdem steigt die Zahl der Nazis wieder, die in die sogenannte “Märtyrerstadt” (Zitat Homepage III. Weg) reisen, um ihren „Helden“ zu gedenken. 2015 kam es bereits im Februar zu einer Demonstration anlässlich der Bombardierung Dresdens. Am 14.11 soll nun wieder das „Heldengedenken“ stattfinden, dies gilt es zu verhindern!

DEM III. WEG DAS HINTERLAND NEHMEN!

Die neonazistische Partei “Der III. Weg” ist verglichen mit anderen bundesweiten Nazistrukturen mit etwa 200 Mitgliedern noch eine relativ neue Erscheinung. Dennoch wähnt sich die Kleinstpartei im Aufwind, in den letzten 12 Monaten wurden bundesweit acht neue Stützpunkte gegründet, die teilweise etablierte Kameradschaftsstrukturen integrieren oder ersetzen. Der III. Weg erweist sich dabei als Sammelbecken verschiedenster Neonazis, denen die NPD nicht radikal genug ist: Verurteilte Rechtsterroristen wie Martin Wiese, enttäuschte NPD-Abtrünnige wie Parteigründer Klaus Armstroff oder ex-Hammerskins wie Tony Gentsch. Inhaltlich trifft ein strammer völkischer NS-Traditionalismus auf eine vermeintliche “antikapitalistische” Rhetorik. Dabei betrachtet der III. Weg das fränkische Hinterland nicht ganz zu Unrecht als “Homezone”: Bei den letzten Aktionen und Aufmärschen (auch in Wunsiedel) war kaum mit Widerstand zu rechnen. In einigen Städten der Region wie Münchberg und Hof kam es in den letzten Monaten zu verstärkten Angriffen auf Geflüchtetenunterkünfte (1). Einige Führungskader wie Tony Gentsch wohnten außerdem lange Zeit in der Region. Die regionale Traditionslinie der Nazipartei ist dabei deutlich: Von der im Januar 2004 verbotenen “Fränkischen Aktionsfront” über das im Juli 2014 verbotene “Freie Netz Süd” zum “III. Weg”, mit reichlichen ideologischen wie personellen Kontinuitäten.

GEGEN JEDEN OPFERMYTHOS!

Bei aller derzeitigen Agitation gegen Geflüchtete will der III. Weg natürlich auch seine geschichtlichen Wurzeln und Vorbilder nicht vergessen: Im Aufruf zur Nazidemonstration wird von “deutschfeindlichen Geschichtslügen” gejammert und anschließend pathetisch beklagt: “…sie trampeln auf dem Andenken unserer Toten herum”. Dabei ist das “Heldengedenken” der Nazis 70 Jahre nach der Niederlage des Faschismus näher an der offiziellen bundesdeutschen Gedenkpraxis angesiedelt, als es sowohl den Nazis als auch der gutbürgerlichen “Mitte” lieb sein dürfte. Denn auch diese übt sich in der Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen, indem mit dem “Volkstrauertag” am 15.11. ein Gedenktag begangen wird, der bereits zu Zeiten der Weimarer Republik zum Gedenken an die Soldaten des ersten Weltkrieges eingeführt wurde und auch im Nationalsozialismus gefeiert wurde – als “Heldengedenken”, soweit der historische Bezug der Demonstration. Der Volkstrauertag in seiner heutigen Form will offiziell allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken – und bewirkt damit, dass “die deutsche Täterschaft im unterschiedslosen Gedenken an die »Kriegstoten« und sogenannte »Opfer von Gewaltherrschaft« untergeht bzw. dem Vergessen preisgegeben wird” (2). Die Ideologie des neonazistischen “Heldengedenkens” und das gern beschworene Bild der “heldenhaften deutschen Soldaten” steht dabei für Nationalismus, Militarismus und in letzter Konsequenz für die Shoa, die industrielle Ermordung von Millionen jüdischen Menschen, Sinti und Roma sowie politischen GegnerInnen des nationalsozialistischen Regimes.

Kommt am 14.11. nach Wunsiedel und beteiligt euch an den Gegenaktionen zum Aufmarsch! Es wird dieses Jahr eine Antifaschistische Demo stattfinden. Diese beginnt um 13:30 Uhr am Gymnasium Wunsiedel.
RAUS AUS DER STADT – REIN IN DIE SCHEISSE!! NAZIS STOPPEN!
HELDENGEDENKEN IN DIE TONNE!

flyer

(1) Frankenpost (Hofer Tageszeitung) vom 12.09.15: http://www.frankenpost.de/lokal/hofrehau/hof-land/Angriff-auf-Fluechtlingsheim-Kripo-fahndet-nach-Steinewerfern;art2438,4331588

(2) Volkstrauertag-abschaffen-Broschüre: http://volkstrauertag-abschaffen.tk

Quelle: Autonome Antifa Hof

Die „Mitte“ von Plauen steht auf

Am Sonntag dem 04.10.2015 trafen sich zum bereits 3. Mal die besorgten Bürger_Innen der Initiative „Wir sind Deutschland – Nur gemeinsam sind wir stark“ auf dem Plauener Altmarkt. Wie in der Vorwoche konnten sie die Teilnehmer_innenzahl verdoppeln. Anfangs (20.09.2015) waren es 400, eine Woche darauf (27.09.2015) ca. 1000-1200 und dieses Wochenende (04.10.2015) knapp 2500 Teilnehmer_innen.

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Schon wieder Plauen – schon wieder Scheiße

Über 100 Nazis folgten am vergangenen Samstag (26.09.) dem Aufruf des “III. Weg”, mit einem Fackelmarsch vor der Gemeinschaftsunterkunft in der Plauener Kasernenstraße den vermeintlichen “deutschen Opfern von Ausländergewalt” zu gedenken. An der Auftaktkundgebung des rassistischen Mobs nahmen auch einige der üblichen besorgten Bürger*Innen teil. Die Zahl der Demonstrierenden reduzierte sich jedoch mit Beginn der kurzen Route deutlich. Zuvor hatten die Behörden das Tragen von Fackeln untersagt. Etwa 150 Menschen stellten sich solidarisch mit den dort untergebrachten Refugees vor die Gemeinschaftsunterkunft und empfingen die rassistische Meute mit lautstarken Sprechchören. Auf welcher Seite die sächsische Polizei steht, ist selbstredend: Die antirassistische Kundgebung wurde von einem behelmten Knüppelbullenaufgebot abgeschirmt, die ganze Zeit abgefilmt und mit Flutlicht ausgeleuchtet.

Ein sich bürgerlich gebender Mob rottete sich am darauffolgenden Sonntag (27.09.) am Plauener Altmarkt zusammen. Blieb der Vogtlandkreis in Südwestsachsen bislang von Pegida und Co. weitestgehend verschont, bahnt sich nun mit der rechtspopulistischen Vereinigung “Wir sind Deutschland” eine für Bürger*Innen anschlussfähigere Variante des um seine rassische Reinheit besorgten Wutgermanentums heraus. Nach Angaben der Veranstalter folgten etwa 2000 Plauener*Innen dem Aufruf, unabhängige Beobachter*Innen gehen von 800-1000 Demonstrant*Innen aus. Zwar distanzieren sich die Veranstalter*Innen oberflächlich von Gewalt und “Extremismus” – dennoch hatten verschiedene Redner*Innen wie die Rodewischer Naziaktivistin Conny Arnold genügend Ressentiments zu bieten, um die sonntägliche Volksseele zum Kochen zu bringen. Noch immer beschwört der Vorbereitungskreis der nun wöchentlich stattfindenden Sonntagskundgebungen, nichts mit Nazis zu tun zu haben – inhaltliche Überschneidungen, Redebeiträge für offensichtliche Nazis und die Anwesenheit von Mitgliedern des “III. Wegs” sowie der Schlägergruppierung “Plauener Härte” (die Konkursmasse der verbotenen Rockergruppierung “Gremium MC” sowie der früheren Kameradschaft “Jungsturm Plauen”) sind belegt und lassen sich schwer leugnen. Inzwischen wurden im Stadtgebiet und im Internet Gewaltandrohungen gegenüber Kritiker*Innen veröffentlicht – womit deutlich wird, was die aufrechte Volksgemeinschaft unter Protest und Meinungsfreiheit versteht.

Für den heutigen Freitag (02.10.) hat der III. Weg erneut zu einer rassistischen Kundgebung in der Plauener Innenstadt aufgerufen.